Die richtigen Vorlagen zum Zeichnen finden
- vor 5 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Manchmal scheitern wir gar nicht daran, eine Idee zum Zeichnen zu haben, sondern daran, eine passende Vorlage zu finden. Deshalb möchte ich dir heute erklären, worauf ich bei der Auswahl an Vorlagen für mich und für meine Workshops achte.

Zeichnen für mich oder zum Geldverdienen?
Bevor ich mich hinsetze zum Zeichnen, stelle ich mir immer zuerst die Frage, zu welchem Zweck ich zeichne. Wenn ich für mich zum Üben zeichne, wenn ich meine Zeichnung für mich behalte und sie nicht auf Instagram zeige und die Zeichnung nicht verkaufen möchte, muss ich keine Regeln beachten. Ich kann im Privaten machen, was ich will.
Aber schon wenn ich meine Zeichnung bei Instagram zeigen will, sollte ich die Quelle meiner Vorlage kennen und dazu schreiben. Und möchte ich die Zeichnung verkaufen oder zeichne ich sogar für einen Kunden, sollte ich ausschließlich urheberfreie Vorlagen verwenden, meine eigenen Fotos verwenden oder ganz auf eine Vorlage verzichten (imaginativ zeichnen).
Warum? Kunst und damit auch Fotografien unterliegen in Deutschland dem Urheberrecht. Dieses besagt, dass alle Rechte des Werkes (Bild, Foto, Text, Musiktitel, usw.) beim Künstler (Urheber) liegen - und zwar bis 70 Jahre nach seinem Tod! Möchten wir das Werk nutzen, um selbst damit Ruhm und Geld zu verdienen, müssen wir uns eine Lizenz dafür erbitten oder kaufen, beim Künstler oder dessen Erben.
So fair, so gut. Es gibt aber auch viele Kreative, die ihre Werke lizenzfrei zur Verfügung stellen. Das Urheberrecht bleibt bei ihnen, ich kann also nicht behaupten, ich hätte das Foto gemacht. Aber ich darf ihre lizenzfreien Fotos als Vorlagen verwenden. Weiter unten liste ich Quellen auf, wo man gut lizenzfreie Bilder findet.
Was möchte ich üben?
Kommen wir zum Inhalt. Hier ein paar Ideen, warum du vielleicht zeichnen (lernen möchtest).
Möchtest du Licht und Schatten auf Kugeln üben, musst du nicht nur Kugeln zeichnen, du kannst auch Äpfel, Zitronen, Tennisbälle oder Weihnachtsschmuck zeichnen.
Möchtest du Urban Sketching machen und interessiert dich für Architektur, kannst du Perspektive (Innenräume, Straßenschluchten), Gebäudedetails (Fenster, Treppen) oder Vereinfachungen von Repetitiven (Mauern, Hochhäuser mit vielen Fenstern) zeichnen.
Möchtest du Oberflächen von Dingen zeichnen, kannst du Wasser, Holz oder Spiegelungen zeichnen.
Möchtest du verstehen, warum deine Lieblingskünstler so gut geworden sind, solltest du dir die Zeit nehmen für eine Meisterstudie. Hier musst du besonders auf das Urheberrecht achten! Aber der große Vorteil ist hier, dass wir von Zeichnungen abzeichnen können und dabei kann man wirklich viel lernen. Es muss ja nicht gleich Eschers Treppenbild sein.

Lieber Vorlagen in Schwarz-weiß als in Farbe
Wusstest du, dass Farben eine unterschiedliche Helligkeit haben? Das wirkt im ersten Moment gar nicht so schlimm. Der rote Mohn vor der grünen Wiese ist doch eindeutig dunkler, oder? Auf dem Beispielbild siehst du, wie Farben in Schwarz-Weiß wirken und das nehmen wir unterbewusst wahr. Hast du also einmal das Gefühl, deine Zeichnung wirkt irgendwie verwaschen, hast du zu wenig Kontrast genutzt. Dann hat alles eine ähnliche Helligkeit. Nutzen wir direkt eine Vorlage in Schwarz-Weiß, können wir diese Problematik umgehen.

Die Sache mit den KI-Bildern
Auch ich suche mir gerne Vorlagen online raus. Auf Seiten mit lizenzfreien Bildern oder bei Pinterest. Und immer öfter tappe ich in die Falle von KI-Bildern, weil sie z.T. schwer zu erkennen sind. Ein Foto einer kleinen Maus, die auf einem Löwenzahn sitzt und eine Brombeere nascht - so süß! Aber warte. Ist die Maus nicht viel zu schwer für den Löwenzahn? Und blüht Löwenzahn überhaupt im Spätsommer, wenn die Brombeeren reif sind?
KI-Bilder sehen manchmal wirklich hübsch aus und letztendlich ist es eine Frage der eigenen Einstellung zu KI, ob du diese Vorlagen nutzen willst oder nicht.
In meinen Workshops zeige ich z.T. KI-generierte Vorlagen, welche ich als solche gekennzeichnet habe. Dann schauen wir sie uns genau an und lachen über die schiefen Möwen oder den unrealistischen Zaun. So lernen wir, richtig hinzugucken, die Fehler der KI zu erkennen und es in unserer eigenen Zeichnung besser zu machen.






